Projekt

Entsteht linguistische Salienz im Gehirn? - Die Frage kann man schnell beantworten: "Natürlich, wo denn sonst?". In unserem Projekt wollen wir aber herausfinden, ob sich die Verarbeitung von Salienz im Gehirn auch messen lässt.


Salienz bezeichnet die Auffälligkeit eines Merkmals im Vergleich zu anderen weniger auffälligen Merkmalen. Dieses Konzept wird in der Psychologie verwendet und in jüngerer Zeit intensiv in der Linguistik diskutiert.
Wenn ein Zürcher und ein Bündner sich unterhalten, unterscheiden sich ihre Dialekte. Beide bemerken das und möglicherweise erkennen sie den Dialekt des anderen sogar. Doch anhand welcher Merkmale geschieht das? Der Zürcher wird wahrscheinlich bemerken, dass ein Bündner Katz statt Chatz sagt und dass sich ausserdem die Qualität des Vokals unterscheidet.
In unserer Studie untersuchen wir, ob sich diese Reaktion des Zürchers auf den Bündner Dialekt im EEG messen lässt. Wir erwarten nicht bloss, dass die Zürichdeutschsprecher anders auf ihren eigenen Dialekt als auf den Bündner Dialekt reagieren, sondern auch Bündner Merkmale unterschiedlich verarbeiten: Der Effekt, wenn ein Zürcher /k/ statt /x/ hört, unterscheidet sich von jenem, wenn er das Bündner /a/ hört. Das Ziel unserer Studie ist - neben der Untersuchung des Kontakts zwischen diesen beiden Dialekten - Salienz erstmals mit neurolinguistischen Methoden zu erfassen.