Deutsches Seminar

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125 Jahre Deutsches Seminar 1886 - 2011

"... für das Fach der deutschen Sprache eine Einrichtung zu treffen."

Mit einem Reglement hat es begonnen (1886)

Am 18. Januar 1886 hatte die Direktion des Erziehungswesens des Kantons Zürich das "Reglement betreffend das Deutsche Seminar an der Hochschule (...) in Kraft erklärt [und so] dem Bedürfnis Rechnung getragen, für (...) das Fach der deutschen Sprache eine Einrichtung zu treffen". Dieses Datum darf als Gründungsdatum des Seminars gelten, wobei die Disziplinen - Literaturwissenschaft und Sprachwissenschaft - freilich schon seit der Gründung der Universität 1833 gut vertreten waren.

Die ersten Jahre

Bereits 1884 richtete die Erziehungsdirektion die Aufforderung an die Philosophische Fakultät, ein Gutachten über die "Wünschbarkeit der Einrichtbarkeit eines deutschen Seminars" zu erstellen.

Die Studierenden wollten dem Anliegen, das ursprünglich von den Professoren kam, ebenfalls Druck verleihen und schrieben im Dezember 1885 an die Erziehungsdirektion, u.a. machen sie sich Gedanken über die Qualifikation eines ordentlichen Professors:

"(...) Ihrem Namen nach könnte diese Vorlesung ["Repetitorium der deutschen Literatur mit stilistisch-rhetorischen Übungen”] gerade die Früchte zeitigen, die wir von einem gut geleiteten deutschen Seminar erwarten; allein wir müssen offen gestehen, dass der Besuch genannten Curses nicht den Nutzen darbietet, den man sich von ihm verspricht.

1. Dezember 1884: Ein Gutachten wird gewünscht

Weitere Bedenken mögen in Bezug auf die Personenfrage entstehen. Wir verhehlen uns nämlich nicht, das seine geeignete Persönlichkeit zu finden vielleicht schwierig ist, da zu Leitung des Seminars nicht nur gründliche literarische Kenntnisse, sondern eben so wohl ein gewisses pädagogisches Geschick und der richtige Takt erforderlich sind.

Doch hegen wir die Hoffnung, es werde Ihnen in folge Ihrer ausgedehnten Verbindungen gelingen einen Mann zu finden, der in seinem Fache Meister ware, der die Hörer zu gewinnen u. zu begeistern vermöchte, der mit einem Worte, unserer Hochschule zur Zierde gereicht.”

(Quelle: Brief der Studierenden (Lehramtskandidaten-Verein "Pädagogia”) an den Erziehungsdirector und die Erziehungsräte des Kantons Zürich, Dezember 1885)

Verschiedene Vorstösse beim Regierungsrat und der Erziehungsdirektion trugen dann 1886 Früchte. Ein provisorisches Reglement wurde erlassen. Zwei Jahre später wurde der erste Ordinarius ernannt, Jacob Baechtold. 1893 folgte dann Ludwig Tobler, 1989 Adolf Frey und 1900 Albert Bachmann.

Die Gründung des Deutschen Seminars hier in Zürich steht in einer Reihe mit anderen Gründungen an verschiedenen deutschsprachigen Universitäten, z.B. in Bern und Basel 1885, Berlin 1887 oder München 1892. Rostock und Tübingen hatten Mitte des Jahrhunderts den Anfang gemacht, ab 1873 setzte "eine eigentliche Welle von Seminargründungen ein"1.

Die Teilnehmerliste zu "Gotische Interpretationen" ca. 1887

 Die Bezeichnung "Seminar" leitet sich aus der engen Verbindung zur Lehrerausbildung ab. "Die Seminare besassen damals - im Unterschied zu den Instituten - keine eigenen Räumlichkeiten; in der Regel allerdings wurde einem Seminar ein Raum in den Universitätsgebäuden zugewiesen, in dem die Übungen seiner Mitglieder stattfinden konnen (…)2. So auch dem Deutschen Seminar an der Universität Zürich, das 1890 den Antrag auf das "kleine Wartezimmer neben dem Senatszimmer [im Hauptgebäude der damaligen ETH]3 stellte.

Erst in späteren Jahren wurde die Bezeichnung "Seminar" auch auf Räumlichkeiten und einen Veranstaltungstyp übertragen. In den Jahren vor und nach der Gründung war der vorherrschende Veranstaltungstyp die "Uebung".

Das Dokument rechts zeigt die Teilnehmerliste einer solchen Übung aus den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts.

 

Anmerkungen

1 Klaus Weimar, Geschichte der deutschen Literaturwissenschaft bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, München 1989, S. 424.
2 Klaus Weimar, a.a.O., S. 324.
3 Zitiert aus dem Brief der Direktion der öffentliche Arbeiten an die Erziehungsdirektion, 18.4.1890, Staatsarchiv des Kantons Zürich.

Illustrationen: Staatsarchiv des Kantons Zürich.