Von der Fiktionalisierung der Welt und ihrem Gegenteil


Die österreichische Autorin Kathrin Röggla gilt als literarische "Krisen"-Expertin. Durch Zufall wurde sie am 11. September 2001 in New York Augenzeugin der Anschläge auf das World Trade Center. In ihrer literarischen Feldstudie "really ground zero" (2001) greift sie auf eigene Beobachtungen, Interviews, Audio-Mitschnitte und Fotografien zurück, um die Vielzahl an Stimmen und Eindrücken aufzuzeichnen, die in der journalistischen Berichterstattung schnell ins Abseits geraten. Wie in ihrem Buch über das Finanzwesen (wir schlafen nicht, 2004) geht es der Autorin dabei nicht darum, ihre Umgebung durch eine 'Feldherrnoptik' (Röggla) zu betrachten. Gegenstand der dokumentarischen Arbeit ist vielmehr die Frage nach den Strategien, die Individuen und Gesellschaften zur Verfügung stehen, um mit 'Krisen' umzugehen - seien es historische Zäsuren wie 9/11 oder die permanente Unsicherheit von Angestellten in der Wirtschaft.

Anlässlich der diesjährigen Poetikvorlesung lädt das Begleitseminar interessierte Studierende dazu ein, sich im Vorfeld der Veranstaltung mit den Arbeiten von Kathrin Röggla vertraut zu machen. Neben ihrem Prosa-Werk sollen dabei auch verstärkt ihre Hörspiele, Theaterstücke und Filme im Zentrum der Diskussion stehen. In drei Werkstattgesprächen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, direkt mit der Autorin über ihr künstlerisches Schaffen zu sprechen.

Unter dem Titel "Von der Fiktionalisierung der Welt und ihrem Gegenteil" wird Kathrin Röggla an drei Abenden zu folgenden Themen sprechen:

Die Fiktionalisierung der Welt und ihr Gegenteil (narratives und counter narratives)
Zeitachsen - Futur im Schleudergang
Wahrheit als Metapher, Realismus als Spur.

 

Kathrin Röggla, 1971 in Salzburg geboren und seit Langem in Berlin lebend, schreibt sowohl Prosa, Theatertexte und Hörspiele als auch Essays. Zuletzt erschienen von ihr Nachtsendung. Unheimliche Geschichten (2016) und die Die falsche Frage. Theater, Politik und die Kunst, das Fürchten nicht zu verlernen (2015). Für ihr Werk hat sie zahlreiche Preise erhalten, u. a. den Nestroy-Theaterpreis für worst case und den Arthur-Schnitzler-Preis. Als amtierende Vizipräsidentin der Akademie der Künste in Berlinversucht sie, über ihr Werk hinaus, Anschlüsse zwischen Politik, Kunst und Theorie herzustellen.