Vom Ich-Sagen

"Schnee, eine Weite, ein Sehen und Licht, weiss das Rötliche, das bläuliche, blendend und gelblich, ein Scheinen: ein geflochtener Zaun, ein Pfahlzaun und zwischen Zaun und Zaun ein Gatter, Geäst und Stämme, gebogen, gelehnt, und Häuser, zwei, gereiht, fensterlos mit Kaminen, kein Rauch, keine Wäsche, ein Waldrand und ferner Bäume, als führte ein Weg zwischen Wald und Baumzeilen in die Weite - das Gatter, fünf Sprossen und auf der obersten der Titel, Kitzler, die Elster: la plie."

"Es ist ein Ansatz meiner Arbeit gewesen, die Sprachlosigkeit durch die Bewegung aufzubrechen, welche von der lebenden Natur ausgeht, das hat mit Abbildung nur begrenzt zu tun: Damit habe ich versucht, etwas zu machen, was kaum gemacht wurde, nämlich die Natur nicht nur als Metapher zu lesen, sondern sich von ihr bewegen zu lassen, zum Schreiben, gleichsam wie von einem Generator."

Der Lyriker und Essayist Michael Donhauser sprach in den Poetikvorlesungen 2008 über sein eigenens Schreiben. Seine Texte widmen sich zu grossen Teilen der Bewegung im scheinbar Unbewegten: unmerklichen Farb- und Lichtspielen, dem Schillern von isoliert betrachteten Gegenständen oder dem Auge, das zwischen Landschaft und Detail hin und her wandert.

 

Michael Donhauser wurde 1956 in Vaduz, im Fürstentum Liechtenstein, als österreichischer Staatsbürger geboren. Seit 1976 lebt er in Wien und Maienfeld (Schweiz). Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen Sarganserland (1999), Die Gärten (2000), Vom Schnee (2003), Vom Sehen (2004), Ich habe lange nicht doch nur an dich gedacht (2005), Schönste Lieder (2007) sowie Edgar und die anderen (2008).