Deutsches Seminar

Studium
Abteilungen
Forschung
Bibliothek
Institut
Mitarbeitende
Downloads
Intranet
Agenda 

Die Zürcher Poetikvorlesungen

"Das ist der ganze Hänger von Poetikvorlesungen, gehalten von Poeten selbst. Das Schweinebücherne des Primären erhebt sich zum Hanebüchenen des Sekundären, gelegentlich auch umgekehrt, veredelt sich der Mist durchs Interpretativ zu dunklem Dung." Robert Schindel

1996 Anne Duden
1997 W.G. Sebald
1998 Volker Braun
1999 Monika Maron
2000 Robert Schindel
2001 Ralph Dutli
2002 Barbara Honigmann
2003 Franz Hohler
2004 Christoph Ransmayr
2005 Hanns-Josef Ortheil
2006 Durs Grünbein
2007 Herta Müller
2008 Michael Donhauser
2009 Marcel Beyer
2010 Paulus Hochgatterer
2011 Sibylle Lewitscharoff
2012 Brigitte Kronauer (neu mit Seminar zur Vorlesung)

Die Zürcher Poetikvorlesungen, im Wintersemester 1996/97 von Frau Prof. Sigrid Weigel in Zusammenarbeit mit dem Präsidialdepartement der Stadt Zürich ins Leben gerufen, entstanden nach dem Muster der viel beachteten Frankfurter Poetikvorlesungen: Während drei abendfüllenden Vorträgen spricht eine Autorin, ein Autor über das eigene Schreiben. Daneben sind die Studierenden und eine interessierte Öffentlichkeit eingeladen, in drei Kolloquien mit dem Gast dessen Texte zu diskutieren. Von literaturwissenschaftlicher Seite ist das Interesse an einem solchen Unterfangen wohl weniger, einen authentischen Einblick in Schreibprozesse zu erhalten, als vielmehr literaturwissenschaftliche Überlegungen in poetischer Sprache zu hören. Fragen nach der historischen Bedingtheit von Texten, nach der geheimnisvollen Wirkung von Metaphern oder der auratischen Materialität von Worten werden nicht in der - meist doch eher trockenen - wissenschaftlichen Diktion verhandelt, sondern in derjenigen der Schreibenden, die dafür ihre eigenen, ungehörten Worte finden. Dieses Reden ist ein selbstkommentierendes, das sich von der lyrischen oder erzählenden Stimme des Autors, der Autorin unterscheidet, diese aber zugleich thematisiert, kritisch beäugt und ergänzt. Dies stellt die Geladenen vor die anspruchsvolle Aufgabe, dem eigenen Text ein zweites Mal sprachlich gerecht zu werden, ohne ihn vorlesend zu wiederholen oder ihn auf poetologische Regeln und biographische Erlebnisse zu reduzieren. Dementsprechend beteuern auch mehrere Autorinnen und Autoren kokett ihre diesbezügliche Unfähigkeit. Christoph Ransmayr meint beispielsweise, dass er die "Klarheit" und "Gewissheit", die er als Erzähler habe, "in dem Augenblick, in dem ich diesen Erzählraum verlasse und etwa in Kommentaren zu 'reden' beginne" verliere: "[Ich] bin unter Umständen doch wieder nur ein empörter Wirrkopf, der, an der nächsten Ecke oder in irgendeinem Winkel des journalistischen Meinungsinkassos zum Plaudern gezwungen, Kauderwelsch redet, stottert, schwitzt." Susanne Reichlin

Zürcher Poetikvorlesungen 1996-2008 (Broschüre) PDF