Skandinavistische Mediävistik

Thorsdarstellung aus der Handschrift SÁM 66, ca. 1765/66 (Stofnun Árna Magnússonar á Íslandi)

In der skandinavistischen Mediävistik beschäftigt man sich mit der Kultur der Wikingerzeit (ca. 750-1050 n. Chr.) und des skandinavischen Mittelalters (11.-16. Jahrhundert). Die aus diesem Zeitraum überlieferten Texte vermitteln faszinierende Einblicke in so unterschiedliche Gebiete wie die Alltagskultur oder das Rechtsverständnis, sie stellen aber auch herausragende Quellen für unser Wissen über die vor-christliche Mythologie und die ausserordentliche isländische Literatur des Mittelalters dar. Neben den Runeninschriften dienen die ab dem 12. Jahrhundert vorwiegend in Island entstandenen, auf Altnordisch/Altisländisch verfassten Handschriften als hauptsächliche Dokumente; sie enthalten ein grosses Spektrum literarischer Gattungen - vor allem Eddas, Sagas und Skaldendichtung -, in denen immer wieder die Auseinandersetzung zwischen der christlichen Kultur des Mittelalters und den heidnischen Wurzeln thematisiert wird. In den Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekten stehen deshalb diese Texte im Vordergrund. Sie werden mit aktuellen literatur- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen analysiert.

Literatur zur Einführung

  • Carol Clover; John Lindow (Hg.): Old Norse-Icelandic Literature. A critical Guide. Ithaca; London 1985 (= Islandica, XLV). Reprint: Toronto 2005 (= Medieval Academy reprints for teaching, 42).
  • Jürg Glauser (Hg.): Skandinavische Literaturgeschichte. Stuttgart 2006.
  • Jónas Kristjánsson: Eddas und Sagas. Die mittelalterliche Literatur Islands. Hamburg 1994.
  • Nedoma, Robert: Kleine Grammatik des Altisländischen. 2., erw. u. aktual. Aufl. Heidelberg 2006 (= Indogermanische Bibliothek, 1. Reihe).
  • Kurt Schier: Sagaliteratur. Stuttgart 1970 (= Sammlung Metzler, 78).
  • Heiko Uecker: Geschichte der altnordischen Literatur. Stuttgart 2004 (= Reclams Universal-Bibliothek, 17647).