Ruth Geiger (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Diogenes-Verlag)

Ruth Geiger studierte an der Universität Zürich während zwölf Semestern Germanistik, Neuere Geschichte, Psychologie und Ethnologie - als Werkstudentin. Sie hatte dabei nie das Ziel, Lektorin in einem Verlag zu werden, sondern wollte im Kulturbereich tätig sein. Per Zufall ergab sich nach dem Studium eine Stelle in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Diogenes. Diese Arbeit nahm mit Sekretariats- und Assistenz-Aufgaben ihren Anfang. Heute leitet Ruth Geiger diese Abteilung.

Service und Kommunikation

Die Anforderungen in der Pressearbeit unterscheiden sich stark von denjenigen im Lektorat. Denn es zählen hier in erster Linie Service-Orientierung und kommunikative Fähigkeiten. Grundvoraussetzung sind germanistische Kenntnisse und ein Verständnis für PR, doch bei einer Bewerbung in diesem Bereich sind auch andere Qualitäten wichtig: Hat die Bewerberin z.B. im Service gearbeitet? Oder im Detailhandel?

Für diesen Job sind psychologische Kenntnisse genau so wichtig wie die germanistische Ausbildung. Der Umgang mit den Autorinnen und Autoren, aber auch mit Medienschaffenden, verlangt diplomatisches Geschick und Fingerspitzengefühl. Zudem ist klar, dass man eine grosse Leidenschaft für die Literatur mitbringen muss: Man verdient nicht viel in der Branche und bewältigt dafür ein grosses Arbeitspensum. So müssen die Manuskripte und Rezensionen immer in der Freizeit gelesen werden; es sei dann natürlich ein besonderer Genuss, dazwischen hin und wieder ein "richtiges" Buch zu lesen, betont Ruth Geiger.

Praktika und Weiterbildung

Wer in die Verlagsbranche möchte, muss unbedingt bereits während des Studiums Praktika in Verlagen machen. Es gibt eine grosse Konkurrenz an Bewerberinnen und Bewerbern aus Deutschland, wo es üblich ist, mehrere Praktika hintereinander bei verschiedenen Verlagen zu absolvieren - meist ohne Entlöhnung. Bei Diogenes gibt es leider keine Praktika, jedoch einjährige Volontariate im Lektorat und neu in der Presseabteilung.

Das Germanistikstudium ist keine Berufsausbildung; man muss sich also selber weiterbilden und seine Kenntnisse ergänzen. Es empfiehlt sich, den Blick nach Deutschland zu richten: Dort gibt es auch Weiterbildungsangebote in der Buchwissenschaft (Akademie des deutschen Buchhandels, Buchwissenschaft und Buchwirtschaft in Leipzig etc.). Gerade für Schweizerinnen und Schweizer ist es sehr sinnvoll, auch Praktikumsstellen in Deutschland zu suchen.