Roman Hess, Leiter Ressort Literatur im Präsidialdepartement der Stadt Zürich

Roman Hess hat Germanistik, Philosophie und Psychologie in Zürich studiert und 1978 abgeschlossen. Während des Studiums hatte er verschiedene Jobs, um Geld zu verdienen, die ihn aber noch nicht in eine bestimmte Richtung geführt haben. Nach seinem Abschluss arbeitete er als freier Journalist und arbeitete auch bei Ausstellungen des Präsidialdepartementes mit. Die dadurch angeknüpften Beziehungen halfen ihm, 1980 eine feste Stelle in der Kulturförderung des Präsidialdepartementes zu übernehmen.

Kulturmanagement als Modewort

1980 wurde noch nicht von Kulturmanagement gesprochen, und es gab auch weit und breit keine Ausbildung in dieser Richtung. Das organisatorische Know-how konnte man also nur in der konkreten Projektarbeit erwerben. Obwohl er nichts gegen das im Rahmen einer Kulturmanagement gewonnene Wissen hat, wendet sich Roman Hess gegen ein Bild der Kulturarbeit, in dem Management-Fähigkeiten über die kulturelle Inspiration gestellt werden. Ausgangspunkt eines erfolgreichen Projektes muss eine aus den Bedürfnissen und Möglichkeiten der kulturellen Situation geborene Idee sein.

Germanistik im Kulturbereich

In der Abteilung Kultur des Präsidialdepartementes der Stadt Zürich gibt es die Ressorts Literatur, bildende Kunst, Musik, Theater, Tanz und Jazz, Rock und Pop-Musik. Allen gemeinsam ist die Aufgabe, das kulturelle Schaffen in ihrer Sparte zu fördern. Im Ressort Literatur wird dies durch die Förderung von Autorinnen und Autoren sowie von Büchern wahrgenommen. Bei den Entscheiden wirken verwaltungsunabhängige Kommissionen mit, deren Sekretariat das Ressort Literatur bildet. Die Hauptarbeit stellt aber die Veranstaltungstätigkeit dar. Im Literaturhaus führt das Ressort Literatur Lesungen mit fremdsprachigen Autorinnen und Autoren durch, und im Strauhof werden pro Jahr vier Ausstellungen zu literarischen Themen gezeigt. Diese werden zum grösseren Teil selber produziert, zum kleineren Teil aber auch übernommen (z.B. vom Schweizerischen Literaturarchiv Bern oder von ähnlichen Institutionen in Deutschland) und den Dimensionen und Bedürfnissen des Strauhofs angepasst. Für die Eigenproduktionen werden in der Regel Kuratorinnen und Kuratoren beigezogen, die eine Ausstellung im Auftragsverhältnis nach literaturwissenschaftlichen und museologischen Gesichtspunkten erarbeiten und mit weiteren Beteiligten (Gestalter, Produktionsleiter) umsetzen.

Für die Leitung des Ressorts Literatur ist ein Studium der Literaturwissenschaft eine gute Voraussetzung, ob nun mit Schwergewicht auf der Germanistik, der Romanistik oder Anglistik. Selbstverständlich sollte die literaturwissenschaftliche Bildung mit Managementwissen (Projektorganisation, Budgetplanung, öffentlichkeitsarbeit) ergänzt werden, und dafür ist der Abschluss eines entsprechenden Lehrganges sicher zu empfehlen.