Marco Läuchli, Dramaturg, Lehrbeauftragter und Stiftungsratsmitglied bei ProHelvetia

Marco Läuchli begann Musikpädagogik und Gitarre zu studieren. Irgendwann wollte er aber etwas "Rechtes machen" und hat sich darum für Germanistik entschieden. In den Nebenfächern belegte er englische Literatur und Soziolinguistik. Während des Studiums hat er bereits als Statist, Requisiteur und Regie-Assistenz am Theater gearbeitet. 1979 studierte er in New York zwei Semester Film und Theater, musste aber aus finanziellen Gründen zurück nach Zürich. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er von 1981 bis 1989 als Regieassistent, Regisseur und Dramaturg am Schauspielhaus Zürich und leitete vier Jahre lang den Schauspielhaus-Keller.

Dann hatte er die Möglichkeit, die Kulturstiftung des Kantons Thurgau zur 750-Jahr-Feier aufzubauen. Dabei genoss er viele Freiheiten und konnte mit einem Konto und einem Telefon ausgerüstet erfolgreich den Beweis antreten, dass der Kanton Thurgau Kultur hat, die gefördert werden soll.

Danach wurde er an die EXPO gerufen, die Projektleitung für die Deutschschweizer Kantonstage zu übernehmen. Dazu benötigten sie einen gestandenen Mann, der etwas Ordnung in das jugendliche Chaos brachte. Gerade eben ging das "Projekt Tanz" zu Ende, ein gemeinsames Projekt von Bund, Kantonen, Städten und der Tanzszene, bei welchem er die letzten drei Jahre im Leitungsteam mitarbeitete.

Kultur in der Fastfood-Gesellschaft

Marco Läuchli mag den Begriff des Kulturmanagement nicht so gerne. Er bestätigt zwar, dass es gewisse Management-Vorgehensweisen auch im Kulturbetrieb braucht; man könne es aber auch übertreiben mit dem Management. Er selber hat an der Uni Basel den Master in Kulturmanagement abgeschlossen und sich dabei gewundert, wie jemand, der vorher noch nie mit Kultur zu tun hatte, in einem zweijährigen Teilzeit-Studium diesen Begriff in seinem ganzen Umfang auch nur annähernd begreifen soll.

Gebracht hat ihm diese Zusatzausbildung vor allem etwas in Bezug auf das Networking: Er hat dort Menschen mit Berufserfahrung in ähnlichen Bereichen kennen gelernt, mit denen er sich austauschen konnte. Ansonsten seien aber vor allem auch die Arbeitserfahrungen für eine so genannten Kulturmanagerin, einen Kulturmanager wichtig; Viele noch junge Leute hätten schon die verschiedensten Zusatzausbildungen, aber ohne Erfahrung seien sie in der Praxis oft restlos überfordert.

Von der Germanistik zur Kultur

Die Germanistik hat Marco Läuchli zum Theater gebracht. Und dort ist klar, dass man Texte lesen und bearbeiten muss und für den Einstieg ins Theater ist das Germanistik-Studium sicher nützlich. Die Arbeit als Stiftungsrat bei der Pro Helvetia hat ihm bestätigt, dass Qualität - entgegen der weit verbreiteten Meinung - keine reine Geschmackssache ist. Da durch die Reduktion des Stiftungsrates niemand mit einem literarischen Hintergrund mehr da war, musste er in der Literaturkommission Einsitz nehmen. Obwohl er nicht von sich behaupten könne, sich auf jede schweizerische Neuerscheinung zu stürzen und die Kommission beide Geschlechter und verschiedene Generationen umfasste, deckten sich über 90% der Stellungnahmen.

Vom lieben Geld

Einen Traumberuf hat Marco Läuchli nie gehabt, seine Karriere hat er nie längerfristig geplant. Und doch ist es immer irgendwie weiter gegangen. Allerdings hat er nach der Kulturstiftung Thurgau merken müssen, dass er in der Zwischenzeit "alt" geworden war. Anfragen für verschiedenste Projekte gibt es auch heute noch mehr als genug, doch sei die Chance auf eine Festanstellung sehr viel kleiner geworden. Bei staatlichen Stellen besteht das Problem, dass die Löhne gemäss Qualifikation und Alter berechnet werden. Und so war er dann meistens überqualifiziert bzw. zu teuer. Ganz allgemein, so gibt er zu, habe er finanziell oft etwas unsicher gelebt. Denn reich würden am Theater die wenigsten und auch Projektleitungen im Kulturbereich seien selten lukrativ. Doch macht die Arbeit Spass. Während des "Projekt Tanz" hat er zusammen mit den andern Verpflichtungen etwa 140% gearbeitet und ist froh, dass es bald vorbei ist. Aber er ist auch stolz darauf.