Markus Nussbaumer (Sektionschef des deutschen Sprachdienstes der Bundeskanzlei)

Markus Nussbaumer leitet die Sektion Deutsch der zentralen Sprachdienste der Bundeskanzlei in Bern. In der Bundeskanzlei arbeiten etwa 50 Personen in den Sprachdiensten. In der deutschen Sektion ist die Arbeit etwas anders als in den Sektionen der anderen Sprachen: Es müssen nur wenige Texte ins Deutsche übersetzt werden, da der grösste Teil bereits auf Deutsch entsteht. Die Hauptaufgabe der deutschen Sektion ist deshalb, die amtlichen Texte des Bundes sprachlich zu verbessern. So werden vor allem Gesetze und Abstimmungserläuterungen redigiert.

Zudem bietet die deutsche Sektion Gesetzgebungsseminare für die Bundesverwaltung an und erstellt Leitfäden zur Sprachverwendung: Neue deutsche Rechtschreibung, sprachliche Gleichbehandlung von Mann und Frau, Festlegung von Schreibweisen etc. Daneben werden auch Texte übersetzt, Reden für die Bundeskanzlerin geschrieben und den Angestellten der Bundesverwaltung mit Rat und Tat in sprachlichen Fragen zur Seite gestanden.

Von der linguistischen Forschung in die linguistische Praxis

Markus Nussbaumer hatte in Zürich Germanistik studiert und in der Linguistik promoviert mit der Dissertation: "Was Texte sind und wie sie sein sollen: Ansätze zu einer sprachwissenschaftlichen Begründung eines Kriterienrasters zur Beurteilung von schriftlichen Schülertexten". Generationen von Linguistik-Studierenden kennen Markus Nussbaumer auch als Mitautor des "Studienbuchs Lingustik" (Angelika Linke, Markus Nussbaumer, Paul A. Portmann). Nach seiner Dissertation und anderen Forschungsarbeiten an der Universität fand Markus Nussbaumer den Weg in die zentralen Sprachdienste des Bundes.

Keine JuristInnen

Die beruflichen Hintergründe der Angestellten im Sprachdienst sind breit. Klar ist: Es sind keine Juristinnen und Juristen darunter. Es handelt sich aber immer um Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Einige davon haben ein linguistisches Studium hinter sich, es gibt aber auch Theologen, Historikerinnen, Kunsthistorikerinnen, Übersetzerinnen oder Literaturwissenschaftler. Wichtig sind eine ausgeprägte Sensibilität für Sprache und ein Interesse an Rechtstexten, die in alle möglichen Themen führen. Ebenso wichtig ist eine gute Kommunikationsfähigkeit, denn man muss immer wieder Überzeugungsarbeit für die vorgeschlagenen sprachlichen Lösungen leisten. Ein gewisser Lebenserfahrungshintergrund ist ebenfalls nützlich. Gute Vorbedingungen sind natürlich Redaktionserfahrungen, z.B. im Journalismus, oder Unterrichtserfahrungen.

Sprachdienste anderswo

Markus Nussbaumer verweist auf weitere Berufsfelder für Germanistinnen und Germanisten: In vielen grossen privatwirtschaftlichen Firmen gibt es ebenfalls sprachdienstliche Abteilungen. Die Textproduktion in solchen Firmen ist riesig und muss oft in einer "Corporate Language" gehalten sein. Dies ist ein interessantes Arbeitsfeld für Linguistinnen und Linguisten.

Die ganze Bundesverwaltung wiederum ist ebenfalls ein potenzieller Arbeitgeber für Germanistinnen und Germanisten. Unter den 30'000 Angestellten gibt es einige darunter mit philologischem Hintergrund. Allerdings haben die Tätigkeitsfelder dort nicht mehr viel mit Germanistik zu tun.

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