Sara Schindler (Lektorin bei Kein & Aber)

Sara Schindler leitet das Lektorat bei Kein & Aber und entscheidet somit zusammen mit dem Verleger, was überhaupt im Verlagsprogramm erscheinen soll. Daneben lektoriert sie einen Teil der entstehenden Bücher.

Während des Studiums arbeitete Sara Schindler in einem kleinen Museum. Gegen Ende des Studiums kristallisierte sich ihr Berufswunsch heraus: Sie wollte Lektorin werden. Nach dem Lizentiat stiess sie auf ein Inserat für eine Assistenzstelle in einem kleinen Kunstbuchverlag. Sie konnte sich gegen 250 MitbewerberInnen durchsetzen und erhielt die Stelle. Zu Beginn war das Aufgabenspektrum sehr breit. Später übernahm sie jedoch hauptsächlich Lektoratsaufgaben. Doch Sara Schindler betont, dass man sich nicht zu schade sein darf, auch Aufgaben zu übernehmen, für die man sich überqualifiziert hält.

Praktikum in Deutschland

Ein Einstieg, wie ihn Sara Schindler fand, sei heute kaum mehr möglich. Die Konkurrenz ist riesig, da die Bewerberinnen und Bewerber mit 27 Jahren bereits eine grosse Zahl an Praktika absolviert hätten. Es ist also wichtig, sich bereits während des Studiums um Praktika zu kümmern - mit Vorteil auch in Deutschland.

Bei Kein & Aber gibt es keine Praktika, nur einjährige Volontariate. Für ein Volontariat muss man aber bereits ein Praktikum vorweisen können.

Gespür für den Text

Im Rückblick findet Sara Schindler, dass das Germanistikstudium wertvoll war, um sich umfangreiche Literaturkenntnisse anzueignen. Zudem wird das Gespür für den guten Text entwickelt. Natürlich unterscheide sich der Zugang zu Literatur im Verlag gegenüber dem wissenschaftlichen Zugang: Als Lektorin bearbeitet man unfertige Texte, beurteilt die Stimmigkeit und Logik eines Textes, kürzt eventuell und feilt an sprachlichen Details. Und man muss, in einem ersten Schritt, auch entscheiden, ob der Text überhaupt ein Potenzial hat, zum Buch zu werden.

Es kann sinnvoll sein, das Germanistikstudium gezielt durch passende Nebenfächer zu ergänzen. In der Belletristik helfen natürlich Fremdsprachenkenntnisse, in einem Sachbuchverlag Fachkenntnisse. Eine gute Ergänzung sind auch wirtschaftliche Fächer. Und: Der gekonnte, feinfühlige Umgang mit AutorInnen ist im Lektorat eine der wichtigsten Fähigkeiten.

Lesen, lesen, lesen...

Als Lektorin bewältigt man ein hohes Arbeitspensum: Im Büro findet man kaum Zeit, die Manuskripte zu lesen. Das muss in der Freizeit erledigt werden. Daneben sollte man auch noch Bücher aus anderen Verlagen lesen, was ein grosses Zeitproblem darstellt. So ist es für Sara Schindler immer wieder ein grosses Glücksgefühl, "einfach so" zu lesen.