Kierkegaard und das Theater.
Internationale Tagung an der Universität Zürich

11.-13. September 2013

Folgt man der Darstellung in seinen autobiographischen Schriften, dann plante Friedrich Dürrenmatt in den späten 1940er Jahren an der Universität Zürich eine Dissertation über Kierkegaard und das Tragische zu schreiben. Schon die wenigen Zeilen, mit denen er dieses Dissertationsprojekt in der Retrospektive umreisst, verdeutlichen, über welch innovatives Potential dieses Forschungsprojekt verfügte: "Dramaturgisch ist Kierkegaard der einzige Nachfolger Lessings, nicht nur weil er die Grenze des tragischen Helden und damit der Tragödie aufzeigt, sondern weil er 'dramaturgisch' denkt."

Erst in der jüngsten Forschung ist Kierkegaard wirklich als ein in vielfacher Hinsicht dramaturgischer Denker gewürdigt worden. Zum Ausdruck kommt Kierkegaards Inter-esse an Theater und Dramaturgie in höchst unterschiedlichen Formen und Kontexten. So finden sich frühe Reflexionen über die eigene Neigung zur Selbsttheatralisierung, subjektteoretisch angelegte Überlegungen zur schauspielerischen Selbstverdopplung, hinreißende Darstellungen des begeistert lärmenden Publikums im Königsstädtischen Theater in Berlin, originelle Bemerkungen zur Posse, kritische Lobeshymnen auf die dänische Schauspielerin Johanne Luise Heiberg, Entwürfe zu einer Theorie des Tragischen wie auch theologisch spannende Brückenschläge vom Schauspiel zur Imitatio Christi und vom Theater zur Bühne der Ewigkeit.

Ziel der Konferenz "Kierkegaard und das Theater" ist es, die vielfältigen Reflexionen Kierkegaards zu sammeln, zu analysieren und zu untersuchen, mit welchem Gewinn sie zu einem systematischen Ganzen verbunden werden können. Angestrebt wird ein Dialog zwischen den Disziplinen der Philosophie, Theologie sowie der Literatur- und Theaterwissenschaft, die sich auf je eigene methodische Art und Weise mit Kierkegaards Dramaturgie und seiner theatralen Schreibweise und Metaphorik auseinandersetzen.

Mit Vorträgen von Leonardo Lisi (Baltimore), Andreas Nagy (Budapest), Joakim Graff (Kopenhagen), Elizabeth de Sousa (Lissabon), Ettore Rocca (Reggio Calabria/Kopenhagen), Mads Sohl-Jessen (Kopenhagen), Klaus Müller-Wille (Zürich), Eivind Tjønneland (Bergen, Joachim Grage (Freiburg im Brsg.), Sophie Wennerscheid (Gent), Henriette Steiner (Zürich), Mathias Kundert (Zürich).