Interstellare Kommunikation

Mit der Annahme einer möglichen Existenz ausserirdischen Lebens ist immer auch eine kommunikationstheoretische Herausforderung verbunden. Abgesehen von den zu bewältigenden raumzeitlichen Schwierigkeiten (der begrenzten Geschwindigkeit des schnellsten Mediums Licht), handelt es sich dabei vor allem um ein semiologisches Problem: Wie lassen sich Wesen kontaktieren, über deren Kommunikationsverhalten wir gar nichts wissen? Inwiefern lässt sich ein Zeichen überhaupt so einrichten, dass es von ausserirdischen Kulturen als ein Zeichen erkannt werden kann? Die conditio extraterrestris ist in diesem Sinne schon immer eine conditio communicatoria, ein Nachdenken über die Kodierungs- und Dekodierungsprozesse gewesen, die einem extraterrestrischen Informationsaustausch zugrunde liegen müssen. Wer den Kontakt zu Ausserirdischen sucht, der sucht vor allem anderen erst einmal nach einer Sprache im Kosmos.

Weder die Wissensgeschichte noch die Literaturwissenschaft haben sich an dieser Suche bisher beteiligt. Lange bevor die technologisch gestützte Durchflutung des Weltalls mit Signalen beginnt, konstituiert sich inmitten der europäischen Literatur der Diskurs der interstellaren Kommunikation, dessen Verlaufsformen das Subprojekt nachgehen will. Im Zentrum steht dabei die Vorstellung eines kosmischen Informationsnetzwerks, dessen Geschichte sich vom Neuplatonismus über Swedenborg und den Spiritismus des 19. Jahrhunderts bis in die zeitgenössische Science Fiction erstreckt. Zu zeigen wäre, zum einen, wie sich in diesen Netzwerken historische Wissensbestände verräumlichen (und dabei planetarische ›Speicherplätze‹ finden); zum anderen aber, wie insbesondere die Dichtung des 20. Jahrhunderts den Anschluss an jene Kommunikationskanäle sucht und am Ende wieder bei der Frage nach einer allübergreifenden Sprache anlangt.

Das Ziel des Projektes liegt somit in der systematischen Aufarbeitung der Zusammenhänge zwischen der Geschichte extraterrestrischer Kommunikationsvorstellungen und der Geschichte der neuzeitlichen Inspirationspoetik.