Eine Auswahl der zu untersuchenden Phänomenbereiche

Bei der folgenden Auflistung handelt es sich um ein Arbeitspapier, das einen groben Überblick über ausgewählte Phänomene der schweizerdeut schen (Morpho-)Syntax geben soll. Es handelt sich nicht um eine abschliessende wissenschaftliche Klassifikation.

  1. Nominalphrase
  2. Pronomina
  3. Kasus
  4. Verbalgruppe
  5. Satzverknüpfung
  6. Weiteres

  1. Nominalphrase
    1. Stellung/Doppelung des unbestimmten Artikels in der Nominalgruppe:
      si wär (e) ganz e gueti Frau für de Markus (mehr dazu Steiner im Druck, 2006 und 2005)
    2. Stellung/Doppelung des bestimmten Artikels:
      er isch (dr) vil dr besser Choch (mehr dazu Steiner 2006)
    3. Stellung/Doppelung von Indefinitpronomina:
      (öpper) ganz öpper fremds isch choo (mehr dazu Steiner 2006)
    4. Pronominaler Partitiv/Nullobjekt (entsprechend Hochdeutsch welch-):
      sell-i re / Ø ga chaufe? [Milch]
    5. Flexion des Adjektivs nach Indefinitpronomen:
      öpper nöis / öpper nöier isch choo
    6. Kongruenz von koprädikativen Adjektiven:
      Fischstäbli mues mer doch gfrore / gfrorni / gfrornä aabräätle (mehr dazu Bucheli Berger 2005b und Bucheli Berger/Glaser 2004)
    7. Possessivkonstruktionen:
      das isch em Peter
      das isch s Peters
      das isch s Sandras
      em Lehrer sin Hund
      s Lehrers Hund
      das isch mir
      das isch der Lehrerin
    8. Fehlen des bestimmten Artikels vor Eigennamen:
      ich han Ø Anna gsee (mehr dazu Bucheli Berger 2006)
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  2. Pronomina
    1. Stellung von Pronomina und/oder Klitika:
      si bringt-mer-s
      si bringt-s-mer
    2. Ausfall des klitischen Pronomens 1.Sg.:
      ha-Ø-der das nid scho verzellt?
    3. Ausfall der 2.Sg.:
      tänk draa, das t/Ø muesch ga wähle gaa!
    4. Einsatz/Fehlen des expletiven es:
      do wird's gwärchet
      im Winter, wenn Ø chaalt isch
      (mehr dazu Glaser 2003)
    5. Pronomen der 3. Pers. für Reflexiv:
      Er lueget nume für inn sälber
    6. Indefinitpronomen zur Bezeichnung geringer Menge:
      Häsch ghöört, es sell hüt no öppis Schnee gää! (mehr dazu Steiner 2006)
    7. ein als Indefinitpronomen man auch im Nominativ:
      Es weiss ein nid, wo aafange
    8. Interrogativum für Indefinitpronomen:
      Suechsch was?
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  3. Kasus
    1. Präpositional erweiterter Dativ:
      i wëmm wett er dänn die schööne Blueme bringe? (mehr dazu Seiler 2008, 2004a, 2003 und 2002)
    2. Kasusflexion von Eigennamen:
      Ich han Fritzen gsee (mehr dazu Bucheli Berger 2006)
    3. Zusammenfall Akkusativ-Dativ:
      Die sind nid für dir!
    4. Akkusativ nach Kopula:
      Das isch inn gsii
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  4. Verbalgruppe
    1. Wortstellung im komplexen Prädikat (Verbalklammer im Nebensatz):
      (ich ha kei Aanig,) öb er das Auto scho zalt het/het zalt
      ich weiss au nid, ob er ämal wett hürate/hürate wett
      S Telefon hät grad glüütet, woni han welle gaa (mehr dazu Seiler 2004b)
    2. Ersatzinfinitive:
      ich ha de Fritz ghöört/ghööre choo
    3. Infinitivpartikeln:
      si isch ga poschte (ggange)
      Da mues i zersch (go) luege
      Er laat de Schriiner (la) choo
      Wänn s so warm bliibt, faat s Iis afa schmelze (mehr dazu Glaser/Frey 2007, Glaser/Frey 2011)
    4. Verlaufskonstruktion am + Infinitiv:
      si isch am d Rüebli rüschte
      si isch d Rüebli am rüschte
    5. Resultativkonstruktionen:
      dr Chorb isch umkipptä
    6. Hilfsverb und Kongruenz beim Passiv:
      Si isch grad verchauft(i) worde/cho
    7. Wortstellung des Infinitivs in der tun-Periphrase:
      Das gfalle tät mir au
    8. Verbfokussierung:
      Sii bisch scho en Fliissigi!
    9. Sekundäre Prädikation zusammen mit kommen:
      Dänn isch en Fuchs z schliiche cho
    10. Infinitivanschluss mit/ohne zu:
      Ich ha vergässe (z) üebe
    11. Inchoativperiphrase mit kommen:
      Chunsch z früüre?
    12. Sog. Gerundium-Formen:
      Du häsch sicher vil z verzellid
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  5. Satzverknüpfung
    1. Erweiterung der Nebensatzeinleitung mit dass (doubly filled Comp.):
      er cha doch nid wüsse, wo dass d wonsch
    2. Pronominale Wiederaufnahme im Relativsatz (Resumptivpronomina):
      das isch de Maa, won em geschter de Wääg zeigt han
    3. Anschlusslose (invertierte) Ergänzungssätze:
      i ha no Glück, han i e gueti Woonig!
    4. Satzverschränkungen:
      Wer häsch gsäit dass (er) em Kevin ghulfe hät?
    5. Wahl und Position des Anschlussmittels für finale Infinitive:
      ich bruuche Tablette zum / für ii(z)schlaafe (mehr dazu Seiler 2005)
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  6. Weiteres
    1. Doppelung bei Pronominaladverbien:
      daa-demit wett-i nüüt z tue haa
      daa wett-i nüüt (de)mit z tue haa
    2. Doppelte Negation:
      s isch niene kän Mäntsch ume
      Weisch, früener hät niemer kä Gält ghaa für daas!
    3. Kontaminationsformen Präposition + bestimmter Artikel Dat.Sg.f.:
      ar Wand
      a de Wand
    4. Verdoppelung des w-Fragewortes in Ergänzungsfragen:
      Was macht dr Urs jetz was? (mehr dazu Frey 2011, 2010, 2006 und 2005)
    5. Komparativanschluss:
      Si isch grösser als/wie/weder/wan ich (mehr dazu Friedli 2006 und 2005)
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