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Der Liebesbrief im 20. Jahrhundert

Das Habilitationsprojekt wurde von 1999-2004 vom Schweizerischen Nationalfonds für wissenschaftliche Forschung (SNF) finanziert und vom Deutschen Seminar der Universität Zürich in vielerlei Hinsicht unterstützt. Im Zusammenhang mit diesem Projekt wurde ein Liebesbriefarchiv erstellt, welches über 5000 Liebesbriefe umfasst.

 

Projektbeschreibung

Der Liebesbrief zeigt auf eindrückliche Weise, wie private Schriftlichkeit sich im Lauf des 20. Jahrhunderts verändert. Weil der Liebesbrief in weiten Kreisen der Gesellschaft Verbreitung findet, erhält man einen Einblick in Schreibnormen verschiedener Milieus, Altersgruppen und Geschlechter. Und es erstaunt nicht, dass er – als Liebes-Brief, als Zettelchen, als Postkarte oder Telegramms, als Liebes-E-Mail und SMS – sich entlang der populären Schreibmedien ausdifferenzieren lässt. Gleichzeitig ist der Liebesbrief eine Textsorte, die immer auch von Menschen geschrieben wird, die das Schreiben nicht gewohnt sind; es sind also Einblicke in Schreibversuche möglich, in welchen die Funktionen der Schriftlichkeit neu ausgelotet werden. Die historischen Veränderungen der Textsorte sollen an Schreibformen und Schreibnormen, sowie an soziokulturellen Konzepten des Schreibens verfolgt und diskutiert werden.

Eine Sprachgeschichte als eine Geschichte des Kommunizierens, eine Geschichte der Gespräche, der Texte, der Kommunikationskonstellationen und -verhältnisse bedeutet eine kulturwissenschaftliche Untersuchung von Veränderung oder Erneuerung. Diese Geschichte ist dann eine Geschichte der Texte in Situationen, eine Geschichte der Texte in Medien, eine Geschichte der Kommunikation zwischen Menschen. In der Verbindung von Kultur- und Mediengeschichte wird Sprachgeschichte zu einem Instrument, die Welt der Kommunikation zu verstehen und verständlich zu machen.

Zücher Liebesbrief Archiv (ZLA, aktuelle Übersicht)

Über 5000 Liebesbriefe

Für das Habilitationsprojekt zum Liebesbrief im 20. Jahrhundert wurde ein Liebesbriefarchiv aufgebaut, welches über 5000 authentische Liebesbriefe seit Mitte des 19. Jahrhunderts versammelt. Diese grosse Anzahl an Briefen wurden der Sammlung seit Ende 1997 zugeführt, nachdem in verschiedenen Medien Aufforderungen, für dieses Habilitationsprojekt Liebesbriefe einzusenden, zu lesen waren. Da sich bisher mehrere hundert Zusenderinnen und einige Zusender sich daran beteiligten, entstand ein grosses Korpus aus Liebesbriefen (und E-Mail-Liebesbriefen), aus welchem für einzelne, spezifische Untersuchungen Stichproben gezogen werden können.

Nicht alle Liebesbrief-ZusenderInnen haben der Sammlung Briefe zukommen lassen, die sie selber erhielten, einige sandten die Briefe der Eltern, Großeltern, der Kinder oder anderer Personen (Kisten voller Briefe von ehemaligen Hausbewohnerinnen, die man auf dem Estrich vorfand oder auch Briefe, die am Boden aufgelesen wurden).

Das Archiv versammelt eine grosse Vielfalt an Liebesbriefen, wie beispielsweise lange Korrespondenzen, E-Mail-Briefe und SMS. Sie entstanden in den unterschiedlichsten Kontexten und dienen ganz unterschiedlichen Zwecken. Es sind neben einzelnen Briefexemplaren auch ganze Verlobungskorrespondenzen zu finden, neben Liebesbekenntnissen finden sich auch Briefe, in welchen Konflikte ausgehandelt werden. Es gibt Anfragen für ein erstes Treffen und Bitten um eine weitere 2. Chance; Fanbriefe an Stars und kleine Liebeszettelchen finden sich darunter. Einige Briefe stammen aus heimlichen Beziehungen, wenige Briefe wurden von Kindern geschrieben, sehr viele sind von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Briefe sind mit den meisten populären Schreibmedien verfasst und es finden sich bedeutend mehr Briefe von Männern.

Diese Sammlung beansprucht keine Repräsentativität in einem statistischen Sinne, vielmehr soll sie für spezifische Fragestellungen als authentisches Ausgangsmaterial zur empirischen Erforschung von Liebesbriefen des 20. Jahrhunderts zur Verfügung stellen. Da bislang kein vergleichbares Archiv oder eine vergleichbare Sammlung erstellt wurde und in linguistischen Untersuchungen zum Liebesbrief (in der Not) verschiedentlich mit elizitiertem Material geabeitet wird, kann man sich nun mit Hilfe dieses Archivs nun mit dem weit interessanteren real existierenden Liebesbrief auseinandersetzen.

Internationales und interdisziplinäres Symposium zum Liebesbrief

IISL 2003: Intimität – Medien – Kommunikation (Frankfurt a. M.)

Call for Papers
Programm
Abstracts

Literatur zum Thema „Liebesbrief“ (interdisziplinär)
Download (pdf, 35 KB)

Publikationen im Rahmen des Habilitationsprojektes

Buchpublikation

1. Schmitz, Ulrich/Wyss, Eva Lia (2002): Briefkommunikation im 20. Jahrhundert. Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie. Oldenburg. (= OBST 64)

Wissenschaftliche Aufsätze und Miszellen (Downloads, vgl. auch Publikationsliste)

1. Eva Lia Wyss (in print): Über Klugheit in Liebesbriefen. Überlegungen in Anlehnung an das Märchen „Die kluge Bauerntochter“ nach den Gebrüdern Grimm. In: Boothe, Brigitte: Klugheit in der Liebe. Königshausen.

2. Eva Lia Wyss (2004): Brautbriefe, Soldatenbriefe, Zettelchen, E-Mail-Korrespondenzen und SMS. Liebesbriefe im 20. Jahrhundert. In: Das Archiv. Gesellschaft für Telekommunikations- und Postgeschichte. S. 1-12.

3. Eva Lia Wyss (2003): Metamorphosen des Liebesbriefs im Internet. Eine korpusgestützte, textlinguistische und komunikationswissenschaftliche Bestimmung des Liebesbriefs und seiner Pendants im Internet. In: Höflich, Joachim/Gebhardt, Julian (Hg.) Vermittlungskulturen im Wandel: Brief – E-Mail – SMS. Lang, Frankfurt a.M. S. 199-231.

4. Eva Lia Wyss (2003): Love Correspondences from the 19th Century to the Internet Era. Paper at the XVIth International Conference on Historical Linguistics (ICHL 2003). Copenhagen, 11th - 15th August 2003.

5. Eva Lia Wyss (2003): Liebesbriefe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Eine Textsorte im lebenszeitlichen Wandel. In: Häcki Buhofer, Annelies, et. al. (Hg.): Spracherwerb und Lebensalter. Basel. [PDF]

6. Eva Lia Wyss (2003): „Mein liebes Muckelchen“, „Lisel, Lisel, lieber Tiger“ und „Hi girl“. Liebesbriefe des 20. Jahrhunderts. In: Burkard, Benedikt (Hg.): Liebe.komm. Botschaften des Herzens. Frankfurt a.M. S. 116-121.

7. Eva Lia Wyss (2003): „Du bist mîn. Ich bin dîn.“ Deutschsprachige Liebesbriefe vom Mittelalter bis in die Gegenwart. In: Burkard, Benedikt (Hg.): Liebe.komm. Botschaften des Herzens. Frankfurt a.M. S. 64-81.

8. Eva Lia Wyss (2002): Sprache, Subjekt und Identität. Zur Analyse der schriftlichen Genderpraxis am Beispiel von Liebesbriefen aus dem 20. Jahrhundert. In: Faschingbauer, Tamara (Hg.): Neuere Ergebnisse der Empirischen Genderforschung.. Olms (=Germanistische Linguistik Bd. 167-168). S. 176-206.

9. Eva Lia Wyss (2002): Liebesbriefe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Eine Textsorte im lebenszeitlichen Wandel. In: Häcki-Buhofer, Annelies (Hg.): Spracherwerb und Lebensalter. Kolloquium anlässlich des 60. Geburtstags von Harald Burger. Basel. 13 S. (= Basler Studien zur deutschen Sprache und Literatur) S. 71-86.

10. Eva Lia Wyss (2002): Fragmente einer Sprachgeschichte des Liebesbriefs. Texte im Spannungsfeld von Sprachgeschichte, Geschichte der Kommunikation und Mediengeschichte. In: Schmitz, Ulrich/Wyss, Eva Lia (Hg.) Briefkultur des 20. Jahrhunderts. Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie. (OBST) Bd. 64. S. 57-92.

11. Eva Lia Wyss (2002): Figurationen des männlichen Körpers in Liebesbriefen des 20. Jahrhunderts. In: ROSA (Herbst 2002). S. 18-19.

12. Eva Lia Wyss (2000): Intimität und Geschlecht. Zur Syntax und Pragmatik der Anrede im Liebesbrief des 20. Jahrhunderts. In: Elmiger, Daniel/Wyss, Eva Lia (Hg.): Sprachliche Gleichstellung von Frau und Mann in der Schweiz. La féminisation de la langue en Suisse. La femminilizzazione della lingua in Svizzera. L'egualitad linguistica da dunna ed um en Svizra. (Bulletin VALS/ASLA 72) S. 187-210.

13. Eva Lia Wyss (2000): Intimität und Geschlecht. Zur Syntax und Pragmatik der Anrede im Liebesbrief des 20. Jahrhunderts. In: Bulletin suisse linguistique appliquée 72/2001. S. 187-210. [PDF]

14. Eva Lia Wyss (2000): "Jetzt möchte ich, dass du mit mir gehst" [Bilddatei ca 500KB] In: Weltwoche, Nr.40/5.Oktober 2000. S. 82.

Zeitungsartikel und Pressemeldungen (in Auswahl)

2003: Liebesschwüre - aus wissenschaftlicher Sicht (von Brigitte Blöchlinger, in Unipublic) http://www.unipublic.unizh.ch/magazin/gesellschaft/2003/0506/

2002: 27.01.02 (Ö1-magazin matrix) http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?read=detail&id=106532&tmp=97155702

2001 (Die Zeit): http://www.zeit.de/2001/30/Leben/200130_k_anfang_begegnu.html http://www.zeit.de/2001/30/Leben/komm_info.html#1

2000: Ein Jahrhundert Liebesbriefe, in, Horizonte, Nr.46/September 2000

2000: Amors Zettelchen, in: Spiegel, Nr.45/6.November, 2000

Kooperationen

Mitarbeit am Konzept der Ausstellung „Liebe.komm“ im Museum für Kommunikation, Frankfurt am Main (Nürnberg, Berlin, Hamburg) http://www.museumsstiftung.de/hamburg/d541_ausstellungen.asp

Raumgestaltung „Vom Liebesbrief zur wissenschaftlichen Publikation zum Liebesbrief.“ von Eva L. Wyss (Literaturmuseum Strauhof Zürich, 11.12.2002–2.3.2003 in der Ausstellung „Liebesbriefe. Amors Pfeil trifft Dichterherz“) mit Film (montevideo.tv, Rolf Günter, Zürich)

5000 Liebesbriefe. Eine Installation von Mats Staub und Barbara Pulli (Hörraum – Hörspiel) in Kooperation mit dem Zürcher Liebesbriefarchiv.

   
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