Personen
Dr. Laura Velte
Laufende Forschungsprojekte
Vormoderne Werkhaftigkeit (Habil.projekt)
Das Buchprojekt untersucht, wie sich zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert neue Werkkonzepte und Werkstrukturen in der mittelalterlichen Literatur formieren. Im Unterschied zu einer Literaturtheorie, die den Werkbegriff entweder nur unter modernen Voraussetzungen diskutiert oder auf die Unfestigkeit vormoderner Textkulturen abhebt, rückt die Studie die Historizität und Pluralität von Werkhaftigkeit in den Mittelpunkt. Dafür untersucht sie diskursive, (para-)textuelle und materielle Formen der Werkkonstitution, die als Reaktion auf die mediale Umbruchssituation zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit entstehen.
Von der notnunft zum Übergriff: Sexualisierte Gewalt in der Literatur des Mittelalters (gemeinsam mit Sarina Tschachtli)
Die Studie untersucht Darstellungen sexualisierter Gewalt in der deutschen Literatur des Mittelalters. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die vormoderne Dichtung kulturelle Darstellungs- und Deutungsmuster für solche Übergriffe ausprägt, die von den zeitgenössischen rechtlichen Diskursen nicht oder nur partiell aufgegriffen wurden. Analysiert wird, wie die textinterne Bewertung erzählter Gewalt durch narrative Verfahren suggestiv gesteuert oder durch die Einführung multipler Perspektiven erschwert wird. Statt die mittelalterlichen Texte an heutigen Wertvorstellungen zu messen, richtet sich der Fokus also auf diejenigen Darstellungs- und Deutungsstrategien, die den Rahmen stiften, um sexualisierte Gewalt - in ihrer körperlichen wie symbolischen Dimension - allererst erzählbar zu machen.
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Sepulkralsemiotik: Grabmal und Grabinschrift in der europäischen Literatur des Mittelalters
In der mittelalterlichen Gedenkkultur kommt dem Grabmal eine wichtige Funktion als Erinnerungsmedium zu. Zwischen Früh- und Spätmittelalter lässt seine Entwicklung das Bedürfnis erkennen, den Toten und ihrem Leben eine signifikante Form zu geben und sie auf diese Weise präsent zu halten. Zwar wurde der besondere Zeichencharakter des Grabmals im Mittelalter nicht theoretisch reflektiert. Doch als Motiv begegnet es so zahlreich in der zeitgenössischen Literatur und Historiographie, dass diese Darstellungen implizite Rückschlüsse auf die Wahrnehmung seiner Substitutions- und Repräsentationsfunktion erlauben. Die Studie untersucht die Zeichenhaftigkeit erzählter Grabmäler erstmals systematisch und in komparatistischer Perspektive.
Forschungsschwerpunkte
- Theorien von Autorschaft und Werk
- Literarische Darstellungen geschlechterspezifischer Gewalt
- Schrift und Schriftreflexion
- Medialität und Materialität
- Mediävistische Komparatistik

