Das Biografische, das Unwahrscheinliche, das Grausame und der Witz: Meine Heimaten

Ich töte Ameisen mit dem Hammer in unserem Garten, Mutter ist schön, sitzt in der Schaukel ohne zu schaukeln, liest mir Marx und Hemingway halblaut vor.

 

Organisation: Prof. Dr. Frauke Berndt, Sebastian Meixner, Deutsches Seminar; Dr. Gesa Schneider, Literaturhaus Zürich

Saša Stanišić
Copyright: Doris Fanconi

Diesen Herbst wird Saša Stanišić die Zürcher Poetikvorlesungen halten. An drei Donnerstagen im November spricht der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller zu Grundfragen seiner Poetik.

Der 1978 in Višegrad geborene und seit 1992 in Deutschland lebende Autor zählt spätestens seit seinem Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert (2006) zu den wichtigen Stimmen der jüngeren deutschsprachigen Autoren. Der Roman trägt semiautobiographische Züge und handelt von dem Jungen Aleksandar aus Višegrad, der mit seiner Familie vor dem Bosnienkrieg nach Deutschland flieht und dort selbst die Kraft von Geschichten entdeckt.

Zu seinem jüngsten Erfolg Fallensteller (2016) überschlagen sich die Feuilletons und machen Stanišić zum "Sprachzauberer", "Magier" mit "fieser Menschenkenntnis" und zu einem "heiteren Melancholiker", schlicht zu: "einfach einem unserer besten Erzähler". Dass es vom Fallensteller nicht weit zum Schriftsteller ist, der mit seinen Mitteln der Sprache Fallen stellt, zeigt dieses Buch, indem es die Kraft von Sprache in seinen verschiedenen Erzählungen auslotet.

Sein Erzählen lässt tiefe Einsichten in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu, in der Sprache neu entdeckt wird. Er zeigt uns Figuren, die sprechen und erzählen, um irgendwo in der Welt eine Heimat zu finden - und zwar eine, die weder Nationen noch Religionen oder Geschlechter ausgrenzt, weil sie eben kein Ort ist, sondern ein Medium.

Beitrag in der NZZ, 23.11.2017, Online-Artikel
Beitrag im Tagesanzeiger, 21.11.2017, Online
Beitrag in der Tagesschau, SRF,  8.11.2017: Video ansehen