Dunkelkammer.

Zu Ohren kommen. Aus einem Hund wird kein Speck. Worte, nach Luft schnappend

Organisation: Prof. Dr. Sabine Schneider und Dr. Claudia Keller, Deutsches Seminar; Dr. Gesa Schneider, Literaturhaus Zürich

Die Dunkelkammer – der Ort, wo Sprache entsteht. Wo Sprache hörbar macht, was den meisten Augen verborgen bleibt. Für die diesjährigen Zürcher Poetikvorlesungen im November wird Melinda Nadj Abonji Ohr und Stimme auf diesen wirkmächtigen Raum richten und einen Einblick in die Entstehung ihrer Literatur geben.

Die drei Abende im Literaturhaus werden zum ersten Mal von einer in Zürich lebenden Schriftstellerin und Musikerin gestaltet. Melinda Nadj Abonji, 1968 in Bečej im ehemaligen Jugoslawien geboren, kam als Kind in die Schweiz. Von der zunehmenden Ideologisierung des Heimatbegriffes, von der geforderten Überanpassung an ein neues Zuhause, von Meinungen und Vorurteilen, vom Krieg und dem Schmerz, ihm ohnmächtig zuschauen zu müssen, erzählt ihr Roman «Tauben fliegen auf», der 2010 mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde.

Seit ihre Umgebung von einem Tag auf den anderen nicht mehr vom Ungarischen, sondern vom Schweizerdeutschen geprägt war, befragt sie die Verbindung ihrer inneren Stimme zu den Wörtern. Ihre literarischen Texte zeigen die Sprache in ihrer zweischneidigen Gestalt als Medium der Gewalt und als Möglichkeit, die Welt in ihren einschränkenden Zurichtungen zu transformieren. In «Schildkrötensoldat», der diesen Sommer mit dem Schillerpreis der ZKB ausgezeichnet wurde, blickt die Schriftstellerin noch tiefer in diesen Krieg hinein. Sie erzählt die Geschichte von Zoltán Kertész, der in der Armee zu einem Mann werden sollte, jedoch nicht als Held im bewaffneten Krieg fallen wird, sondern am täglichen Krieg und an der Sprachgewalt zugrunde geht. Melinda Nadj Abonji gibt seiner Blumenwelt, seiner mit Schätzen gefüllten Scheune eine Stimme. Im Wissen um das Politische jeden Sprechens beharrt sie auf dem Klang des anderen, der auch derjenige der Literatur und der Poesie ist.

Im Begleitseminar zur Poetikvorlesung werden die drei Romane («Im Schaufenster im Frühling» (2004), «Tauben fliegen auf» (2010) und «Schildkrötensoldat» (2017)) von Melinda Nadj Abonji ausführlich besprochen und ihre Essays gelesen. Es wird auch ein Blick auf ihre Kollaborationen mit anderen Künstler*innen, beispielsweise Jurczok 1001, geworfen. Jeweils am Freitagmorgen nach den Vorlesungen finden drei Werkstattgespräche mit der Autorin statt.

Termine:

 8., 15. und 22. November 2018, jeweils von 20-22 Uhr im Literaturhaus Zürich

Werkstattgespräche im Begleitseminar:

9., 16. und 23. November 2018, jeweils von 10.15-12 Uhr

www.melindanadjabonji.ch