Tierpoetiken

Wappentier Qualle. Das Schaf der Vernunft. Wolfskrankheit.

Organisation: Prof. Dr. Barbara Naumann, Deutsches Seminar, und Gesa Schneider, Literaturhaus Zürich.

Alljährlich richtet das Deutsche Seminar der Universität Zürich gemeinsam mit dem Literaturhaus die Zürcher Poetikvorlesung aus. In diesem Jahr wird die Schriftstellerin Marion Poschmann Einblicke in ihr Werk und ihre Arbeitsweise geben.

Marion Poschmann hat mit ihrem letzten Roman, Die Kieferninseln (2017), Furore gemacht. Mit ihrer zugleich ersthaften und subtilen, humorvollen und „knisternd-klugen“ (Paul Jandl) Sprache schlägt sie ihre Leser*innen immer wieder in den Bann. Zu ihrem Werk gehören zahlreiche Romane und Lyrikbände, aber auch essayistische Erkundungen der Dichtung. Das Themenspektrum der Marion Poschmann ist weit: Von der Reise eines suizidalen japanischen Jugendlichen und seines europäischen Begleiters, einem Bartforscher, zum scheinbar idealen Ort für das finale Vorhaben der Selbsttötung (Die Kieferninseln) führt es zu den seltsamen Begebenheiten in einer psychiatrischen Anstalt nach der deutschen Wiedervereinigung (Die Sonnenposition); die Lyrikerin schreibt ebenso über den Coney Island Lunapark bei New York wie über die Straßenbäume vor der Haustür in Berlin (Geliehene Landschaften; Laubwerk. Zur Poetik des Stadtbaums). Bei aller Verschiedenheit der Themen, Orte und Handlungen lassen sich wiederkehrende Fragestellungen erkennen, etwa diejenige nach der der Beziehung des vielseitig gefährdeten Naturschönen mit den Möglichkeiten der Dichtung und des literarischen Erzählens. Diese Beziehungs-Problematik läuft wie ein roter Faden durch ihre Texte:

Aomori. Osaka. Tottori.
Kannst du
ortskundig sein und doch sinnlosen Sehnsüchten folgen,
dir selber Auskunft verweigern, böse, genial?


Zum Zusammenspiel von Natur, Schönheit und Sprache gehört für die Autorin ebenso das Zusammenspiel von Prosa und Lyrik. Marion Poschmann dichtet in beiden Gattungen, wobei die eine die andere nie ganz loslässt. Im Roman Die Kieferninseln etwa lässt sie den Haikus des berühmten Basho eine zusehends handlungstragende Rolle zukommen. Zu Recht hat man Marion Poschmann eine Meisterin der genauen Komposition genannt. Subtil und raffiniert, mit genauer Beobachtungsgabe und stets mit Ironie und Witz gepaart, entwickeln ihre Texte Rhythmus und Faszination. Lyrik und Prosa interagieren in einer genauen, dicht gefügten Sprache, die immer wieder überraschende Funken schlägt.

Für ihre Lyrik und Prosa erhielt die Autorin zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Romstipendium der Deutschen Akademie Villa Massimo 2004, den Peter-Huchel-Preis und den Ernst-Meister-Preis 2011, den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013, den zum ersten Mal verliehenen Deutschen Preis für Nature Writing 2017, sowie den Düsseldorfer Literaturpreis 2017 und zuletzt den Berliner Literaturpreis 2018. Marion Poschmann ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, der Hamburger Akademie der Künste und des PEN-Zentrums Deutschland. Im März dieses Jahres wurde die englische Übersetzung des Romans Die Kieferninseln, The Pine Islands, auf die Longlist des Man Booker International Prize gesetzt.

Termine:

 7., 14. und 21. November 2019, jeweils von 20-22 Uhr im Literaturhaus Zürich

Werkstattgespräche im Begleitseminar:

8., 15. und 22. November 2019, jeweils von 10.15-12 Uhr, am Deutschen Seminar