Gedächtniskultur im Paratext - Textränder altnordischer Prosahandschriften

Im Gegensatz zum restlichen Europa, wo die Handschriftenkultur durch den Buchdruck abgelöst wurde, erlebte die Handschriftenproduktion auf Island ab dem frühen 17. Jahrhundert eine regelrechte Renaissance. Viele der heute als Vermittler genuin mittelalterlicher Texte aufgefassten Textträger sind jedoch einzig in Papierhandschriften quasi-mittelalterlicher Produktionsweise aus der "Renaissance der altnordischen Handschriftenproduktion" (17. - 19. Jahrhundert) überliefert.

Das SNF Ambizione-Projekt untersucht anhand paratextueller Elemente - so zum Beispiel an Titelblättern, Zwischentiteln, Rubriken, Indizes, Einleitungen oder Schlussformeln - wie über Paratexte altnordischer Prosahandschriften eine Gedächtniskultur erzeugt wird, in der literarische Inhalte frühneuzeitlicher Textträger in der kollektiven und kulturellen Erinnerung als mittelalterliche Texte erinnerbar gemacht werden.

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Bildnachweis: ÍB 299 4to, fol. 58r (Ausschnitt), Landsbókasafn Íslands - Háskólabókasafn

Transkription: "Bókenn Edda hvöria sam sett hefur Snorre Sturluson lög maður Ao. Xti M. CCXV. Prentuð í Kaupenh. í íslenðsku, dönsku z latínu. Anno Domini 1665."

Übersetzung: "Das Buch Edda, welches der Gesetzessprecher Snorri Sturluson Anno Domini 1215 zusammengesetzt hat. Gedruckt in Kopenh. In Isländisch, Dänisch und Latein, Anno Domini 1665."