Virtuelle Telefonzentrale Kommunikationsräume um 1900 als VR-Erfahrung

Telefonistinnen bei der Arbeit in der Telefonzentrale Aarau 1924
Telefonzentrale Aarau 1924. Quelle: Museum für Kommunikation, Bern

Projektbeschrieb

Das vom Universitären Forschungsschwerpunkt Sprache und Raum geförderte Projekt Virtuelle Telefonzentrale. Kommunikationsräume um 1900 als VR-Erfahrung macht es sich zum Ziel, mittels Virtual Reality eine historische Telefonzentrale zu (re)konstruieren und damit einen historischen Arbeitsraum von Frauen – in diesem Falle von Telefonistinnen – sowie die damit verbundenen sprachlich-kommunikativen Praktiken erfahrbar zu machen. Bei der VR-Erfahrung handelt es sich um eine Art des re-enactments, sie ermöglicht einen neuen Zugang zu historischen Räumen und Interaktionsformen zwischen Mensch und Technik. Sie sensibilisiert für die Rolle der eigenen Sinne im Erkenntnisprozess sowie für die Bedeutung verschiedener Objekte in der Interaktion von Körper und Raum.

Die Erstellung einer telefonischen Verbindung erfordert Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts viele Schritte. Die Telefonistin stellt diese Verbindung her, sie "stöpselt" diese und arbeitet somit als Vermittlerin. Sie muss mit den Telefonabonnent*innen sprechen, wenn diese eine telefonische Verbindung wünschen oder technische Probleme haben und gibt etwa Auskunft über die aktuelle Uhrzeit, Museumsöffnungszeiten und Zugverbindungen. Der Sprachgebrauch von Telefonistinnen wird dabei von der Verwaltung genau vorgegeben, auch die Interaktion mit der Arbeitsinfrastruktur muss erlernt und ständig optimiert werden, damit eine Telefonverbindung möglichst schnell hergestellt werden kann. Jegliche Fehler werden von der Aufsichtstelefonistin notiert und sanktioniert.

Die für das Erstellen einer Telefonverbindung erforderlichen Praktiken können in der VR-Anwendung nachgestellt und so die Enge des Arbeitsplatzes, das Stöpseln, das Abfragen von Nummern, das Erteilen von Auskünften usw. erfahrbar gemacht werden. Aus wissenschaftlicher Sicht bietet das Projekt einen neuen Zugang zu historischen Interaktionen: Ein heute nicht mehr existierender Raum und die darin stattgefundenen kommunikativen Praktiken können neu exploriert werden. Das Experimentieren mit Virtual Reality dient ausserdem dazu, den heuristischen Wert dieses Mediums für die kulturlinguistische Forschung zu erproben und regt dazu an, diesen Zugang und den eigenen Erkenntnisprozess zu reflektieren.

 

Gefördert durch: UFSP Sprache und Raum

Laufzeit: August 2020 bis Dezember 2020