Header

Suche

5. Sitzung: Die Erarbeitung von Beispielsätzen geht in die zweite Runde (19. März 2026)

Balanceakt zwischen dem Anspruch auf Vollständigkeit und einem gesunden Pragmatismus

Zu Beginn der Seminarstunde tauschen sich die Kleingruppen im Plenum über den Arbeitsstand aus. Man ist sich einig: Beispielsätze fallen nicht vom Himmel, ihre Erarbeitung erfordert grossen Effort. Schwierig wird es insbesondere dann, wenn man sich nicht an den Atlanten orientiert, sondern eigene Sätze bilden möchte, basierend auf den bis anhin gewonnenen Erkenntnissen über das Bairische. Dann nämlich besteht die Gefahr, sie mit zu vielen Phänomenen zu befrachten. Eine weitere Schwierigkeit sehen die Studierenden darin, in Multiple-Choice-Aufgaben einerseits alle Dialektvarianten abbilden zu wollen und sich andererseits auch nicht in zu vielen Antwortmöglichkeiten zu verlieren – es ist also ein Balanceakt zwischen dem Anspruch auf Vollständigkeit und einem gesunden Pragmatismus.

In diesem Zusammenhang wird auch die Verschriftlichung von Dialekt als Herausforderung genannt: Wie gelingt es, dass sich die Probandinnen und Probanden nicht aufgrund einer ungenauen Verschriftlichung für eine falsche Antwortmöglichkeit entscheiden? Aber auch eine zu genaue Verschriftlichung könnte bei den Nutzerinnen und Nutzern für Probleme sorgen. So könnte man zum Beispiel «Es fängt an zu regnen» als «hep oon tsu regn(en)» verschriftlichen. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist eine solche Schreibweise sinnvoll, doch erkennen Dialektsprechende einer bestimmten Region darin ihre Sprache? Oder ist eine solche Schreibweise schon so weit vom vertrauten Schriftbild der Standardsprache entfernt, dass die Nutzerinnen und Nutzer zuerst mal lange die Stirn in Falten legen?

Bildquelle: Symboldbild der Erarbeitung des Fragenkataloges (generiert mit Google Gemini Pro).

Im Austausch wird weiter auch die Frage diskutiert, ob es zur Erfassung der Artikulationsstärke von Konsonanten (Lenis: stimmlose «weiche Konsonanten», z.B. b, d, g vs. Fortis: stimmlose «harte Konsonanten», z.B. p, t, k) zielführender sein könnte, die Antwortmöglichkeiten von gewissen Multiple-Choice-Aufgaben gar als Audio-Datei anzugeben. Letzten Endes wird es wichtig sein, sich stets in Erinnerung zu rufen, welche sprachlichen Phänomene im Sinne des Forschungsprojektes wirklich relevant sind und sich im Folgenden auf diese zu konzentrieren.

Konklusion: Optimierungsmöglichkeiten kennen kein Limit, aber das Limit kennt uns. Wie auch immer: Jede Gruppe erreicht die angepeilten 50 Fragen, und dies mit Bravour. Für die im April folgenden Treffen mit den Expertinnen und Experten sind wir also schon fast gerüstet, noch fehlt der Feinschliff!